Das Visier eines Skihelms beeinflusst maßgeblich, wie viel Licht die Augen erreicht und wie gut Kontraste bei Sonne, Bewölkung, Schneefall oder dSkihelm-Visier: VLT, Filterkategorien und Visiertechnik
Das Visier eines Skihelms beeinflusst, wie viel Licht die Augen erreicht und wie gut sich Kontraste bei Sonne, Bewölkung, Schneefall oder diffusem Licht erkennen lassen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Scheibenfarbe, sondern vor allem die Lichtdurchlässigkeit (VLT), die Filterkategorie und die verwendete Visiertechnik.
Je nach Modell kommen fest getönte, wechselbare oder photochromatische Visiere zum Einsatz. Dazu gibt es Beschichtungen gegen Beschlagen und Kratzer sowie Technologien zur Kontrastverstärkung oder Blendungsreduzierung. Hier erfährst du, was die verschiedenen Angaben bedeuten und welche Eigenschaften bei der Auswahl eines Skihelm-Visiers wichtig sind.
Was bedeutet VLT?
VLT steht für Visible Light Transmission und bezeichnet den Anteil des sichtbaren Lichts, der durch das Visier gelangt. Der Wert wird in Prozent angegeben.
Ein niedriger VLT-Wert bedeutet, dass wenig Licht durchgelassen wird. Solche Visiere sind stärker getönt und eignen sich eher für helle, sonnige Bedingungen. Bei einem hohen VLT-Wert gelangt mehr Licht zu den Augen, was bei Bewölkung, Schneefall oder diffusem Licht vorteilhaft sein kann.
Ein Visier mit 15 % VLT ist somit deutlich dunkler als eines mit 60 % VLT. Welcher Wert besser geeignet ist, hängt von den jeweiligen Licht- und Sichtverhältnissen ab.
Bei photochromatischen Visieren geben Hersteller häufig einen VLT-Bereich an, beispielsweise 16–55 %. Innerhalb dieses Bereichs verändert sich die Tönung abhängig von den Lichtverhältnissen. Fest getönte Scheiben haben dagegen in der Regel einen bestimmten VLT-Wert.
Filterkategorien S0 bis S4
Neben dem VLT-Wert werden Skivisiere häufig in Filterkategorien von S0 bis S4 eingeteilt. Sie beschreiben, wie stark eine Scheibe das sichtbare Licht reduziert. Je höher die Kategorie, desto geringer ist die Lichtdurchlässigkeit.
| Filterkategorie | Lichtdurchlässigkeit (VLT) | Typische Bedingungen |
|---|---|---|
| S0 | ca. 80–100 % | Sehr wenig Licht, starker Schneefall, Nacht |
| S1 | ca. 43–80 % | Bewölkung, Nebel, diffuse Sicht |
| S2 | ca. 18–43 % | Wechselhaftes Wetter, leichte bis mittlere Bewölkung |
| S3 | ca. 8–18 % | Sonnige Bedingungen |
| S4 | ca. 3–8 % | Sehr intensive Sonneneinstrahlung, Hochgebirge |
Für die meisten Skitage sind vor allem die Kategorien S1 bis S3 interessant. S2 bietet häufig einen brauchbaren Kompromiss bei wechselnden Lichtverhältnissen, während S3 eher für sonniges Wetter vorgesehen ist.
Photochromatische Visiere können mehrere Filterkategorien abdecken. Ein Modell mit S1–S3 verändert seine Tönung beispielsweise von einer relativ hellen Scheibe für bedeckte Bedingungen bis zu einer deutlich dunkleren Tönung bei Sonnenschein.
Die Filterkategorie sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie gut Kontraste wahrgenommen werden. Hier spielen auch Scheibenfarbe, Beschichtung und gegebenenfalls kontrastverstärkende Technologien eine Rolle.
Tönung und UV-Schutz sind nicht dasselbe
Eine dunkle Scheibe bietet nicht automatisch einen höheren UV-Schutz als eine helle. VLT-Wert und Filterkategorie beschreiben die Durchlässigkeit des sichtbaren Lichts, während der UV-Schutz die Abschirmung schädlicher ultravioletter Strahlung betrifft.
Beim Kauf solltest du deshalb nicht allein auf die Tönung achten, sondern auch die Herstellerangaben zum UV-Schutz und die einschlägigen Normen beziehungsweise Zertifizierungen des Visiers berücksichtigen.
Visierfarben und Kontrast
Die Farbe einer Visierscheibe kann beeinflussen, wie Kontraste, Konturen und Geländeformen im Schnee wahrgenommen werden. Welche Wirkung tatsächlich entsteht, hängt allerdings vom Zusammenspiel aus Scheibenfarbe, Tönung, VLT-Wert und gegebenenfalls eingesetzter Kontrasttechnologie ab.
Gelbliche, orangefarbene oder rosafarbene Scheiben werden häufig bei diffusem Licht eingesetzt. Sie können dazu beitragen, Unebenheiten und Konturen im Schnee deutlicher erscheinen zu lassen. Graue oder braune Tönungen werden dagegen oft für hellere Bedingungen verwendet.
Verspiegelte Visiere können die Lichtdurchlässigkeit beeinflussen und verändern das äußere Erscheinungsbild der Scheibe. Aus der sichtbaren Außenfarbe lässt sich jedoch nicht zuverlässig ableiten, wie dunkel ein Visier tatsächlich ist. Dafür sind VLT-Wert und Filterkategorie aussagekräftiger.
Einige Hersteller bieten eigene kontrastverstärkende Technologien an. Dazu gehören beispielsweise SIGMA™ von Salomon und die HD Lens Technology von Atomic. Diese Technologien sollen durch eine gezielte Beeinflussung der Lichtübertragung beziehungsweise Farbwahrnehmung Kontraste und Geländeunterschiede im Schnee besser erkennbar machen.
Da die Hersteller unterschiedliche Verfahren verwenden, sind solche Bezeichnungen nicht direkt miteinander vergleichbar. Für die Auswahl bleiben die konkreten Scheibeneigenschaften und der vorgesehene Einsatzbereich entscheidend.
Polarisierte Visiere
Polarisierte Scheiben können bestimmte Reflexionen von Schnee und Eis reduzieren und dadurch störende Blendungen verringern. Das kann bei sehr hellen Bedingungen angenehmer sein. Je nach Scheibentechnologie kann die Polarisation auch die Kontrastwahrnehmung beeinflussen.
Ein grundsätzlicher Sicherheitsvorteil ergibt sich daraus jedoch nicht. Werden Reflexionen stark reduziert, können unter bestimmten Bedingungen auch visuelle Hinweise auf vereiste oder glänzende Flächen abgeschwächt werden.
Polarisation, Lichtdurchlässigkeit und photochromatische Tönung sind unterschiedliche Eigenschaften. Ein Visier kann polarisiert, photochromatisch oder mit beiden Technologien ausgestattet sein.
Bei der Auswahl sollten deshalb neben der Polarisation auch VLT-Wert, Filterkategorie und der vorgesehene Einsatzbereich berücksichtigt werden.
Photochromatische Visiere
Photochromatische Visiere verändern ihre Tönung abhängig von den Lichtverhältnissen. Bei geringerer Lichtintensität werden sie heller, bei stärkerer Sonneneinstrahlung dunkler. Dadurch können sie mehrere Filterkategorien mit einer einzigen Scheibe abdecken.
Wie groß der Tönungsbereich ausfällt, unterscheidet sich je nach Modell. Ein Visier mit S1 bis S3 kann beispielsweise sowohl für bewölkte als auch für sonnigere Bedingungen geeignet sein. Maßgeblich sind die angegebenen VLT-Werte und Filterkategorien.
Der praktische Vorteil: Bei wechselhaftem Wetter muss nicht jedes Mal das Visier gewechselt werden. Auch beim Wechsel zwischen sonnigen und schattigen Pistenabschnitten kann die automatische Anpassung hilfreich sein.
Allerdings erfolgt die Tönungsänderung nicht unmittelbar. Wie schnell ein Visier reagiert und welche Lichtverhältnisse es abdecken kann, hängt von der verwendeten Technologie ab.
Einfluss der Temperatur
Bei photochromatischen Scheiben kann auch die Temperatur das Verhalten beeinflussen. Klassische photochromatische Materialien reagieren bei großer Kälte unter Umständen langsamer auf wechselnde Lichtverhältnisse oder dunkeln stärker ab.
Wie ausgeprägt diese Effekte sind, hängt von der jeweiligen Scheibentechnologie ab. Einige Hersteller setzen deshalb auf speziell für winterliche Bedingungen entwickelte Systeme mit geringerer Temperaturempfindlichkeit.
Wer häufig bei sehr niedrigen Temperaturen Ski fährt, sollte auch auf entsprechende Herstellerangaben achten.
Scheibenmaterial und Konstruktion
Viele Skihelm-Visiere bestehen aus Polycarbonat (PC). Dieser Kunststoff wird unter anderem wegen seiner hohen Schlagfestigkeit eingesetzt. Für die Schutzwirkung ist allerdings nicht allein das Material entscheidend, sondern die gesamte Visierkonstruktion und deren Prüfung.
Je nach Modell kommen Einzelscheiben oder Doppelscheiben zum Einsatz.
Bei einer Doppelscheibe befindet sich zwischen den beiden Scheiben eine isolierende Luftschicht. Sie kann dazu beitragen, die Innenseite weniger stark abkühlen zu lassen und damit das Beschlagen zu reduzieren.
Auch Einzelscheiben können mit einer Anti-Fog-Beschichtung ausgestattet sein. Ob ein Visier beschlägt, hängt daher nicht nur von der Scheibenkonstruktion ab, sondern ebenso von Belüftung, Temperatur und Feuchtigkeit.
Anti-Fog und weitere Beschichtungen
Ein häufiges Problem bei Skihelm-Visieren ist das Beschlagen der Scheibe. Es entsteht, wenn feuchte Luft auf eine ausreichend kalte Oberfläche trifft und dort kondensiert. Hersteller versuchen dies durch spezielle Beschichtungen und Belüftungssysteme zu reduzieren.
Eine Anti-Fog-Beschichtung auf der Innenseite soll verhindern, dass sich Kondenswasser in Form störender Tröpfchen auf der Scheibe sammelt.
Wie wirksam dieser Schutz ist, hängt auch von Belüftung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, körperlicher Aktivität und Passform ab. Eine beschlaghemmende Beschichtung kann das Problem reduzieren, aber nicht unter allen Bedingungen verhindern.
Auf der Außenseite werden häufig zusätzliche Beschichtungen eingesetzt:
- Kratzhemmende Beschichtungen sollen die Oberfläche widerstandsfähiger gegen leichte mechanische Beanspruchung machen.
- Hydrophobe Beschichtungen erleichtern das Abperlen von Wasser und können je nach Ausführung auch die Reinigung unterstützen.
Solche Beschichtungen verbessern bestimmte Eigenschaften der Scheibe, machen sie aber weder kratzfest im absoluten Sinn noch dauerhaft beschlagfrei.
Wechselbare Visiere und Ersatzvisiere
Bei einigen Skihelmen lässt sich das Visier austauschen. Das ist praktisch, wenn unterschiedliche Scheiben für verschiedene Lichtverhältnisse verwendet werden sollen oder ein beschädigtes Visier ersetzt werden muss.
Ersatzvisiere sind allerdings häufig modellspezifisch. Selbst innerhalb einer Marke passen nicht zwangsläufig alle Visiere auf jeden Helm. Deshalb solltest du vor dem Kauf prüfen, welche Ersatzscheiben für das gewünschte Modell vorgesehen sind und ob verschiedene Tönungen oder Filterkategorien angeboten werden.
Auch die langfristige Ersatzteilversorgung ist relevant. Wird eine Helmserie nicht mehr produziert, können passende Visiere mit der Zeit schwieriger erhältlich sein.
Bei wechselbaren Visieren lohnt sich zudem ein Blick auf den Befestigungsmechanismus. Ein unkomplizierter, stabiler Wechsel ist angenehmer als eine aufwendige Konstruktion mit mehreren kleinen Einzelteilen. Wie sich Visierhelme hinsichtlich ihrer Flexibilität von einer klassischen Helm-Skibrillen-Kombination unterscheiden, zeigen die Vor- und Nachteile von Skihelmen mit Visier
Visier und Korrekturbrille
Viele Visierhelme bieten unter dem Visier Platz für eine normale Korrekturbrille. Hersteller verwenden dafür häufig die Bezeichnungen OTG (Over The Glasses) oder brillenkompatibel.
Wie viel Platz tatsächlich vorhanden ist, unterscheidet sich jedoch von Modell zu Modell. Auch Breite und Höhe des Brillengestells sowie die individuelle Gesichtsform beeinflussen, ob sich Helm, Visier und Brille bequem zusammen tragen lassen.
Worauf es dabei ankommt, erklären wir ausführlicher in unserem Ratgeber Passform & Brillenträger.
Abschluss am Gesicht und Schutz vor Zugluft
Neben der Scheibe selbst beeinflusst auch der Abschluss des Visiers am Gesicht den Tragekomfort. Ein passend geformter Visierrahmen beziehungsweise Schaumstoffabschluss soll Wind und Schnee möglichst fernhalten, ohne die notwendige Belüftung zu behindern.
Atomic beschreibt bei aktuellen Visierhelmen beispielsweise einen eng anliegenden Abschluss mit Gesichtsschaum und darauf abgestimmter Belüftung.
Wie gut das funktioniert, hängt von der Helm-, Gesichts- und Nasenform ab. Große seitliche oder untere Abstände können Zugluft verursachen. Ein zu enger Sitz kann dagegen Druckstellen an Nase oder Gesicht hinterlassen.
Bei einer Anprobe lässt sich am besten feststellen, ob das Visier angenehm sitzt und ausreichend abschließt.
Visier richtig reinigen
Besonders die Innenseite eines Visiers muss vorsichtig behandelt werden, da sich dort häufig die empfindliche Anti-Fog-Beschichtung befindet.
Ist die Innenseite feucht oder mit Schnee bedeckt, solltest du sie nicht kräftig trocken reiben. Hersteller wie uvex und Smith empfehlen, Feuchtigkeit vorsichtig abzutupfen oder die Scheibe zunächst trocknen zu lassen.
Für die Außenseite eignen sich in der Regel klares Wasser und ein weiches, sauberes Mikrofasertuch beziehungsweise ein geeigneter Brillenbeutel. Aggressive Haushaltsreiniger, chemische Zusätze sowie raue oder verschmutzte Tücher können die Oberfläche und ihre Beschichtungen beschädigen.
Maßgeblich bleiben die Pflegehinweise des jeweiligen Herstellers, da sich Materialien und Beschichtungen unterscheiden können.
Welches Visier für welche Bedingungen?
Die Wahl des passenden Visiers hängt vor allem davon ab, bei welchen Licht- und Wetterverhältnissen du überwiegend Ski fährst.
Für sonnige Tage sind stärker getönte Scheiben mit niedrigerem VLT-Wert geeignet. Bei Bewölkung, Schneefall oder diffusem Licht bieten hellere Visiere mit höherer Lichtdurchlässigkeit häufig die besseren Voraussetzungen.
Wer regelmäßig bei wechselnden Bedingungen unterwegs ist, kann von einem photochromatischen Visier oder einem Helm mit wechselbaren Visieren profitieren. Beide Lösungen ermöglichen eine Anpassung der Tönung, unterscheiden sich aber in Handhabung und verfügbarem Tönungsbereich.
Aussagekräftiger als die reine Scheibenfarbe sind VLT-Wert, Filterkategorie, Tönungsbereich und die Herstellerangaben zum vorgesehenen Einsatzbereich.
Bei der Kaufentscheidung sollte außerdem der gesamte Visierhelm berücksichtigt werden. Passform, Belüftung, Brillenkompatibilität und die Verfügbarkeit von Ersatzvisieren können für die langfristige Nutzung ebenso wichtig sein wie die Scheibentechnik.